Schloß-Stadt Bensberg mit Blick in die Kölner Bucht  
     
Anlässlich einer Ausstellung
             - Zeichnung und Malerei - im Herbst 2000

von Michael Gnade  
     
              Für mich als Künstler ist es ein Glück, die Kollegin Dina Savi in unserer Provinz zu wissen, eine Frau von Welt schon biographisch:
              In Belluno, Italien, 1957 geboren; in der Schweiz aufgewachsen von 1965-75; in London und Deutschland lebend von 1976-88; in Bagdad/Irak und Addis Abeba, Äthiopien von 1989-96 und seitdem in Bensberg. Was gäbe es allein von ihrer Lebens-Odyssee zu berichten, zudem nun über ihre künstlerische Laufbahn auf verschiedenen Kontinenten.
              Hier sei nur etwas zu den Aktzeichnungen von Dina Savi bemerkt, erinnern sie mich doch an Formen grossen Stils im Venedig Tizians, dem Rom Raffaels, dem Florenz......: ja, sie zeugen von Grazie im Reiche der Schönheit noch bis zu Giacomo Manzù in unserer Zeit!

 

 
Liegender Rückenakt, Rötelzeichnung von Dina Savi, Bütten 48 x 64
 

 

                    Wir nordischen Künstler – von Dürer bis Hans von Marées und Anselm Feuerbach –  verdanken vor allem den Italienern eine Ahnung von plastischer Form – aus Liebe zum sinnfällig Schönen.
              Aber auch dem Franzosen Eugène Delacroix hatte ein Bild vor allem ein Fest für die Augen zu sein. Und schon mit Plato ist das Gute, Wahre und Gültige allein durch Zeugung im Schönen denkbar.
              Das Adjektiv 'schön' gehört zur Wortgruppe von 'schauen', welche das Sehen und Betrachten einschliesst. Im Unterschied zu sehen bezeichnet 'schauen' meist das absichtliche Blicken und Beobachten, steht in gehobenem Sinn auch für die innere, geistige Schau. Und beschaulich leben übersetzt das lateinische vita contemplativa.
              In der Tat: Dina Savi ist begabt zu anschauender Versenkung vor dem Sujet. – „Sur le motif“, die Formel Cézannes, gilt aber wohl für alle, denen der Gegenstand noch etwas zu sagen hat – ergreifend schön, ja herrlich zu erscheinen vermag.

 

 
Kohlezeichnung von Dina Savi, Bütten 48 x 55
 

 

                    Durch eine Künstlerin erinnert zu werden an das zeitlos Gültige der bildenden Kunst, das kann in einer Epoche, deren Arbeiten schon Rilke als 'Tun ohne Bild' bezeichnete, überaus dankbar stimmen.
              Zudem haben wir es bei Dina in meinen Augen mit einer attraktiven Frau zu tun, die aus instinktivem Willen selbständig schafft. Kann das mit (ge)rechten Dingen zugehen?
              Sehnsucht zum Schönen entschädigt gemeinhin von Natur benachteiligte, ja hässliche Künstler! Leonardo aber war schön – und hat deshalb nicht etwa hässlich gezeichnet. Einigen wird ihre Begabung aus schöner Seele gespeist, der es nicht einmal an Geist und Klugheit mangelt.

 

 
Foto Manfred Kliebisch, Hamburg
 



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